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DIE BILANZ  

AUFBAU UND ORDNUNGSPRINZIP

Los geht es mit der Bilanz zum 31.12.2019 eines bekannten DAX-Unternehmens und Automobilherstellers, der

BMW-GROUP


Der Aufbau einer Bilanz (italien. bilancia = Waage) ist total einfach und auch logisch, wenn man das Prinzip verstanden hat. Selbst die Bilanz eines internationalen Groß-Konzerns mit einer Bilanzsumme von leicht über 238 Milliarden Euro lässt sich dann ganz einfach lesen und verstehen.

Das Verständnis des dem Aufbau einer Bilanz zugrundegelegten Prinzips - besser doppelten Prinzips - hilft zudem beim Verständnis des Buchvorgangs bzw. der Bildung der Buchungssätze.

1. Prinzip - Horizontale Ordnung: AKTIVA und PASSIVA

Auf der AKTIV-Seite der Bilanz - LINKS - steht das VERMÖGEN! Es steht im Soll!

Auf der PASSIV-Seite der Bilanz - RECHTS - stehen die SCHULDEN und das EIGEN-KAPITAL! Sie stehen im Haben!

Warum steht das Vermögen im Soll, wenn auf den Kontoauszügen die Schulden bzw. Abbuchungen im Soll stehen?

Ganz einfach!

Als angehender Unternehmer - und jedes Unternehmen beginnt mit meist einem Unternehmensgründer - muss ich genug finanzielle Mittel (Geldkapital) HABEN, mit denen ich jene Vermögensgegenstände anschaffen SOLL, die mir letztlich die Realisierung meines Geschäftsmodells ermöglichen!

Als Hotelier(In) brauche ich Geld-Kapital, für den Kauf des Grundstücks, den Bau des Hotels, für den Kauf der Hotelausstattung bzw. des Interieurs, für den Einbau der Küche und der Bar, für das Geschirr, für den Swimming Pool, etc.

Denn nur mit diesen eigen- oder meist fremdfinanzierten Vermögensgegenständen können letztlich endlich Gäste beherbergt und gastronomisch verköstigt werden.

Die PASSIVA sind also die VERMÖGENSQUELLEN!

Es ist reines Geld- bzw. Buchgeld, das meist aus dem NICHTS erzeugt wird.

Geld ist grundsätzlich PASSIV, hat keinen intrinsischen Wert, sondern besitzt nur eine reine Tauschfunktion. Geld selbst stellt nichts her und kann nichts produzieren!

Deshalb braucht es vor allem REAL-KAPITAL, d.h. reales VERMÖGEN, mit dem AKTIV das Geschäftsmodell verwirklicht werden kann.

Die BMW-GROUP kann kaum Automobile und Motorräder in nennenswerter Stückzahl produzieren ohne Fabriken, in denen sich Produktionsanlagen mit Maschinen und Robotern befinden und in denen Menschen arbeiten.

Das Vermögen ist damit der AKTIVPOSTEN eines jeden Unternehmens, mit dem sämtliche Produkte und / oder Dienstleistungen hergestellt werden...

Die zur Verfügungstellung der PASSIVA = FINANZIERUNG, also des Geldkapitals in Form von Fremd- und Eigenkapital macht tatsächlich ökonomisch nur einen Sinn, wenn es in reales Vermögen, d.h. AKTIVA = INVESTITION investiert wird!

2. Prinzip - Vertikale Ordnung: LIQUIDITÄT und FÄLLIGKEIT

Die AKTIVA werden nach der LIQUIDITÄT sortiert, d.h. nach der Zeitdauer in der sie zu Geld verflüssigt, quasi liquidiert werden können. Das Vermögen muss dazu AKTIVIERT im Sinne von verkauft werden.

Alle Vermögensgegenstände bei denen es wahrscheinlich etwas länger dauert, bis sie verkauft werden können, stehen deshalb ganz oben bei den AKTIVA.

Das ANLAGEVERMÖGEN, also die immateriellen Vermögensgegenstände (Schutzrechte/Patente, Konzessionen etc.), die Sachanlagen (Grundstücke, Gebäude, Maschinen etc.) und die langfristig gebundenen Finanzanlagen (Anteile und Ausleihungen an verbundene Unternehmen, Beteiligungen, etc.) lassen sich im Normalfall nicht so schnell zu Geld machen. Es dient dem Unternehmen langfristig bei der Erfüllung seines Geschäftszwecks...im Falle von BMW Automobile und Motoräder entwickeln, produzieren und verkaufen.

Weiter unten bei den AKTIVA steht das UMLAUFVERMÖGEN, das u.a. aus den VORRÄTEN, den FORDERUNGEN aus LIEFERUNGEN und LEISTUNGEN (FaLL), den WERTPAPIEREN sowie den BANKGUTHABEN und KASSENBESTÄNDEN besteht und sich hingegen schon viel einfacher und damit schneller liquidieren lässt.


Die PASSIVA werden hingegen nach der FÄLLIGKEIT sortiert, d.h. nach dem Zeitraum in dem sie zurückgezahlt werden (müssen).

Ganz unten bei den PASSIVA stehen die KURZFRISTIGEN VERBINDLICHKEITEN analog zu den Positionen beim Umlaufvermögen. Vor allem die kurzfristigen Verbindlichkeitenmeits mit einer Laufzeit von wenigen Monaten oder gar Wochen aus LIEFERUNGEN und LEISTUNGEN (VaLL)  müssen im Falle eines Falles - Liquiditätsengpass / drohende Insolvenz - zuerst bedient werden.

Dazu löst man in der Regel zuerst die Bankguthaben auf, verkauft seine Wertpapiere und "treibt" seine Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (FaLL) ein. Wenn das nicht genügt, verkauft man noch seine ganzen Vorräte.

Die LANGFRISTIGEN VERBINDLICHKEITEN hingegen sind in der Regel durch das Anlagevermögen besichert.

Anleihen, Hypotheken, Darlehen bei Kreditinstituten, etc. werden in der Regel über Jahre ausgegeben bzw. aufgenommen und sollten vor allem der Finanzierung der langgristig im Unternehmen gebundenen Vermögensgegenstände dienen.

Last but not least steht ganz oben bei den PASSIVA das EIGENKAPITAL, das sich als Differenz aus dem Vermögen und den Schulden ergibt.

Es besteht aus dem GEZEICHNETEN KAPITAL (also bei Aktiengesellschaften aus den bewerteten ausgegebenen Aktien), der KAPITALRÜCKLAGE, den GEWINNRÜCKLAGEN, dem GEWINN- / VERLUSTVORTAG und dem JAHRESÜBERSCHUSS- / JAHRES-FEHLBETRAG.

Im Insolvenzfall werden die Eigentümer des Unternehmens zuletzt aus den "Resten" des Vermögens bedient.

Die BILANZSUMME ergibt sich letztlich als Summe der AKTIVA links, die identisch gleich der Bilanzsumme der PASSIVA rechts ist!

T-KONTO-FORM

Aus den beiden Ordnungsprinzipien - AKTIVA / PASSIVA sowie LIQUIDITÄT / FÄLLIGKEIT ergibt sich auch die Form der Bilanz als ein einziges großes T-KONTO.

Mit Aufnahme der Geschäftstätigkeit / Unternehmensgründung wird (besser sollte) zunächst eine Anfangs-/Eröffnungsbilanz erstellt werden, in der alle Vermögensgegenstände und selbstverständlich auch die Schulden und das Eigenkapital erfasst werden.


Mit dem ersten Geschäftsvorfall, z.B. Kauf einer Kücheneinrichtung bei einem Hotel beginnt dann die Buchhaltung. Es werden dazu alle für die Buchhaltung erforderlichen und für ein Unternehmen relevanten T-Konten eröffnet. Sämtliche weiteren Geschäftsvorfälle eines Geschäftsjahres - z.B. Verkauf einer Flasche Wein, Verkauf eines 1 wöchigen Auftenthalts mit Verpflegung, Kauf eines Fasses Bier, Lohnauszahlung an Mitarbeiter etc. - werden dann laufend festgehalten und in diesen quasi Unter-T-Konten verbucht.

In der Schlussbilanz werden sämtliche vorher eröffneten T-Konten der Buchführung wie z.B. das Konto für Forderungen aus Lieferungen und Lieferungen (FaLL), das Bankkonto oder das Konto für Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (VaLL) aufgelöst und komprimiert.

AKTIV- und PASSIV-KONTEN

Aus der Bilanz lassen sich ferner die wichtigsten T-Konten ganz einfach ablesen, und sie bestimmt auch deren Art.

Die "wesentlichen" AKTIVKONTEN stehen somit unter den AKTIVA, die wichtigsten PASSIVKONTEN befinden sich unter den PASSIVA.

Es lässt sich aus der Bilanz also wunderbar ablesen, ob es sich bei den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen um ein AKTIVKONTO handelt oder nicht. Oder ob es sich bei einem Bankkredit oder einer ausgegebenen Anleihe um ein PASSIVKONTO handelt oder nicht. Die Bilanz gibt dazu eine erste und wichtige Richtschnur!

Die Bilanz ist immer im GLEICHGEWICHT, da sie zum Bilanzstichtag, meist der 31.12. eines Geschäftsjahres, das letzte "verdichtete" und aggregierte T-KONTO ist. Die Bilanz ist eine Momentaufnahme und damit statisch, da sie jedes Jahr am Ende eines Geschäftsjahres im Rahmen des Jahresabschluss erstellt werden muss!

Die Bildung der Buchungssätze, d.h. welcher Geschäftsvorfall wie auf welches Konto - AKTIV oder PASSIV - verbucht wird und damit der Buchungsvorgang selbst, sollte nun viel leichter fallen...